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Information Organspende

Allgemeines

Eine Organtransplantation ist derzeit für eine große Anzahl von Patienten mit chronischem oder akutem Organversagen die Behandlungsoption der Wahl. Der Mangel geeigneter Spenderorgane stellt jedoch ein wesentliches Problem der Transplantationsmedizin in Deutschland dar. Der Zahl von 3.508 verfügbaren postmortal gespendeten Organen im Jahre 2012 steht derzeit der Bedarf von über 12.000 Patientinnen und Patienten gegenüber, die auf ein geeignetes Spenderorgan warten. Dabei nahmen die Einträge auf den Wartelisten zur Transplantation in den letzten beiden Jahrzehnten um etwa 45% zu; der Trend lässt künftig eine weitere Steigerung erwarten. Allerdings bedingt der Mangel an geeigneten Spenderorganen, dass in Deutschland jährlich mehr als 1.000 Patienten auf der Warteliste für eine Transplantation versterben, weil nicht rechtzeitig ein passendes Spenderorgan zur Verfügung steht. Gleichzeitig gibt es in Deutschland ein Organspendepotenzial, welches nicht ausgeschöpft wird.

Prof. Dr. med. Gernot M. Kaiser

Im Jahr 2012 gab es in Deutschland insgesamt 12,8 Organspender pro Millionen Einwohner. Allerdings liegt die Rate an Organspendern bei ähnlichen soziokulturellen Verhältnissen in vielen europäischen Nachbarländern deutlich höher. Beispielhaft hatte Spanien 2011 über 30 Organspendern pro Millionen Einwohner in Europa die mit Abstand höchste postmortale Organspenderrate. Deutschland bewegt sich dagegen im europäischen Vergleich nur im unteren Drittel. Allerdings wünschen sich nach Umfragen in deutschen Bevölkerungsgruppen 88-93% eine Organtransplantation im Bedarfsfall. Lediglich 52-58% der Befragten waren jedoch zu einer postmortalen Organspende bereit. Diese offensichtliche Diskrepanz zwischen „Geben“ und „Nehmen“ bleibt unklar, führt aber letztlich zum Organspendermangel.

Dr. med. Stefan Becker, M.B.A.

Insbesondere im Hinblick auf die Vorgaben des 2012 novellierten Transplantationsgesetzes müssen die Aspekte Verteilungsgerechtigkeit, Erfolgsaussicht und Dringlichkeit in der Transplantationsmedizin nachvollziehbar sein. Leider sind in der Situation des Mangels an geeigneten Spenderorganen nicht alle diese drei Aspekte im wünschenswerten Maß erfüllbar. Durch die negativen Schlagzeilen in den Medien ist aktuell die Anzahl der Organspender deutlich rückläufig. Der Skandal in 2012 betrifft dabei im Wesentlichen den Bereich der Organallokation durch betrügerische Fälschung von Patientendaten durch einzelne verantwortlich tätige Mediziner.

Die Transplantationsmedizin ist der Bereich in der Medizin, in dem wir bei der Erfüllung unseres Versorgungsauftrages möglichst optimale Entscheidungen im Spannungsfeld „individueller Behandlungswunsch“ versus „Verantwortung gegenüber dem Gesamtkollektiv“ treffen. Zum Beispiel ist die Lebertransplantation häufig die einzig mögliche, lebensrettende Therapie und wird auch bei unmittelbar vom Tod bedrohten Patienten durchgeführt. Um möglichst vielen unserer schwer kranken Patienten mit einer Transplantation zu helfen, akzeptiert unser Zentrum auch Organspender mit erweiterten Kriterien. Als größtes Zentrum für Lebertransplantation bei Eurotransplant haben wir in den letzten Jahren große Erfahrung im Umgang mit Transplantationen bei erweiterter Indikationsstellung bei den Spendern und Empfängern gewonnen. Belegt ist dies durch zahlreiche, hochrangige wissenschaftliche Veröffentlichungen, die weltweite Beachtung finden.

An dieser Stelle möchten wir unseren Dank den Angehörigen der Organspender ausdrücken. In einer sehr schwierigen Situation haben sie mit einer Entscheidung „pro Organspende“ Patienten auf der Warteliste durch die Transplantation ein neues Leben geschenkt.

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